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In Erinnerung an Markus Prachensky

08/08/2011

Das Essl Museum hat aus Anlass seines Todes eine Gedächtnisausstellung in Wertschätzung des Werkes von Markus Prachensky eingerichtet. Kurator Günther Oberhollenzer in Erinnerung an Markus Prachensky.

Noch in sehr lebhafter Erinnerung ist mir die intensive Zusammenarbeit mit Markus Prachensky, zu dessen 75. Geburtstag das Essl Museum 2007 eine große Ausstellung gezeigt hat. Es ist eines der schönsten Aufgaben in der kuratorischen Arbeit, Künstlerinnen und Künstlern persönlich kennen zu lernen und mit ihnen zusammen ein Ausstellungsprojekt umzusetzen. Eine solche Zusammenarbeit kann aber auch sehr konfliktgeladen und emotional belastend sein, oft sind die Vorstellungen des Museums und jene des Künstlers divergierend, Kompromisse müssen schwer erkämpft werden. Nicht so bei Markus Prachensky. Die Zusammenarbeit mit ihm und seiner Frau Brigitte wird mir als eine der schönsten und bereichernsten Kunstprojekte in Erinnerung bleiben, die ich betreuen durfte.

Markus Prachensky - © Foto: Roland Icking

Markus Prachensky - © Foto: Roland Icking

Ich war recht nervös, als ich im Frühling 2007 Markus und Brigitte Prachensky zum ersten Mal zu Hause besuchte. Sein über 50 Jahre währendes, großartiges Schaffen flößte mir einen ziemlichen Respekt ein. Markus Prachensky begegnete mir aber mit einer großen Offenheit und Herzlichkeit und sehr bald war das Eis gebrochen. Körperlich zwar beeinträchtigt erschien er mir dennoch ungemein vital und energiegeladen. Zu meiner Überraschung und Freude betrachtete er mich von Anfang an als gleichberechtigten Gesprächspartner, obwohl doch über vierzig Jahre an Alter und Lebenserfahrung zwischen uns lagen. Und so sprachen wir über Malerei und Kunst, über seinen Werdegang und die Ausstellung als ob wir uns schon lange kennen würden. Die organisatorischen Belange überließ er weitestgehend seiner Frau, und auch mit ihr entwickelte sich eine außerordentlich herzliche wie konstruktive Zusammenarbeit. Begeistert war ich über die Freiräume, die mir bzw. dem Essl Museum zugestanden wurden, etwa in der Gestaltung des Kataloges oder auch in der Hängung der Ausstellung. Mein Ansatz war, den Katalog weniger traditionell-klassisch wie seine bisherigen Publikationen ausfallen zu lassen. Eine frische Grafik wie auch zahlreiche (alte wie neue) Fotos des Künstlers bei der Arbeit machten den Katalog (neben natürlich den Bildern) lebendig und abwechslungsreich. Prachensky gefiel er sehr gut, es schien ihm Spaß zu machen, etwas Neues auszuprobieren. Und als beim Druck es mit der Farbabstimmung nicht ganz klappte, die Malereien aufgrund eines digitalen Übertragungsproblems im Katalog nicht so leuchteten, wie sie sollten, macht mir Prachensky keinerlei Vorwürfe, im Gegenteil. Halb so schlimm, meinte er gelassen.

„Sie kennen sich da besser aus, Sie kennen die Räume des Museums besser als ich,“ ließ mich Prachensky wissen, als es um die Gestaltung der Ausstellung ging, und so bereitete ich einen Hängeplan vor, den er mit Begeisterung und ohne große Änderungen annahm. Zusammen mit Prof. Karlheinz Essl war zu Beginn das Grundkonzept der Ausstellung festgelegt worden: gezeigt wurden „Frühe und späte Werke“ (so auch der Untertitel der Schau), bestehend aus Werken der Sammlung und zahlreichen Leihgaben.

Markus Prachensky - Swing de Provence, 2007, © Sammlung Essl Privatstiftung, Foto: Archiv Sammlung Essl

Markus Prachensky - Swing de Provence, 2007, © Sammlung Essl Privatstiftung, Foto: Archiv Sammlung Essl

Spannend, denn ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre entwickelte Prachensky eine unverwechselbare expressive Malweise und setzte jahrelang nur ein vehementes Rot ein. In den Serien seines Spätwerkes ab Mitte der 1990er Jahre kehrte Prachensky wieder verstärkt zum alles dominierenden Rot zurück, wobei die Werke ein stark dynamischer Farbauftrag mit explosionsartigen Farbspritzern kennzeichnet. Die Ausstellungsidee war, die frühen Werke den späten gegenüber zu stellen und so die ganze Ausstellungshalle in Rot zu tauchen – nach Prachenskys Motto „Rot ist die Farbe meines Lebens“. Da er in seinem Spätwerk verstärkt Elemente aus der frühen Schaffenszeit aufgreift, ermöglicht die Ausstellung, Ähnlichkeiten aber auch feine Unterschiede zwischen den Werkgruppen zu erkennen. Wir haben sie bewusst nicht chronologisch gehängt und durchmischten die Jahrzehnte, sodass man als Betrachter vor einem Bild oft vor der Frage stand, ob dieses nun vor ein paar Monaten oder vielleicht vor rund 50 Jahren entstanden war. Dabei hatte ich gerade bei seinem Spätwerk immer wieder den Eindruck, ein jugendlicher Künstler habe diese Werke voll explosionsartiger Farbspritzer geschaffen.

Wie schon im Katalog bereicherte auch die Schau zahlreiche Fotos (Gerald Y Plattner zeigte aktuelle Bilder des Künstlers in seinem Atelier, dem gegenübergestellt wurde eine Fotoserie von Barbara Pflaum aus dem Jahr 1960). Korrespondierend dazu gewährleisten zwei Filme, ein Interview und Prachensky beim Malen (von Claudia Auer und Ferdinand „Marschall“ Karl), einen unmittelbaren Einblick in seine Lebens- und Arbeitswelt. Wunderbar zu sehen, wie Prachensky ein Bild malte! Man muss ihn malen sehen, um seine Kunst ganz zu verstehen.

Markus Prachensky - Ausstellungsansicht "Frühe und Späte Werke", 2007, Foto: Sammlung Essl Privatstiftung

Markus Prachensky - Ausstellungsansicht "Frühe und Späte Werke", 2007, Foto: Sammlung Essl Privatstiftung

Die Eröffnung war ein Fest. Sie war aber nicht ganz ungetrübt. Am Morgen erreichte uns die Nachricht, dass es Prachensky gesundheitlich nicht gut gehe und er deshalb an der Pressekonferenz nicht teilnehmen könne. Umso größer war die Erleichterung, als der Künstler am Abend erschien. Sein langjähriger Freund Peter Iden hielt die Festrede, Kulturministerin Claudia Schmidt eröffnete die Ausstellung, für Musik sorgte, wie sollte es anders sein, ein Gruppe, die Jazz und Swing spielte –wie es Prachensky liebte und oft im Atelier hörte, während er seine Bilder malte.

So wie seine Kunst war auch der Mensch Prachensky jung und voller Energie geblieben. Seine neuen Bilder waren bereits in Vorbereitung, war jüngst in Nachrufen nachzulesen. Prachensky konnte bis zum Schluss seiner Leidenschaft nachgehen. Eine Leidenschaft für die Malerei, die sich auf den Betrachter überträgt. Sein Werk bleibt über seinen Tod hinaus bestehen. Aber auch die Erinnerung an einen großartigen Menschen.

Günther Oberhollenzer, Essl Museum

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  1. Ferdinand Marshall Karl

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