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Die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu gehen ihren Weg

20/08/2014
Teodora Axente, Descent, 2014, Foto: Günther Oberhollenzer

Die rumänische Stadt Cluj hat in den letzten Jahren durch eine äußerst vitale Kunstszene, insbesondere auf dem Feld der Malerei weit über die Grenzen des Landes für Aufsehen gesorgt. Auf Einladung der Südtiroler Galeristin Doris Ghetta besuchte Kurator Günther Oberhollenzer im Frühjahr 2014 zahlreiche Künstlerateliers in Cluj, um einen Einblick in die aktuelle Kunst dieser Region zu gewinnen. Daraus wurden fünf Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung „Tales of the Valley“ ausgewählt, darunter auch die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente (2011) und Alin Bozbiciu (2013).

Viel ist in den letzten Jahren von Malerei aus Cluj zu hören gewesen. Deshalb nahm ich die Einladung der Galeristin Doris Ghetta gerne an, mir für einige Tage Anfang Mai vor Ort ein Bild der dortigen Kunstszene zu machen. Auf unserer Reise begleiteten uns der Südtiroler Architekt Igor Comploi, die Südtiroler Künstler Robert Bosisio, Willi Crepaz und Walter Moroder sowie die rumänische Künstlerin Teodora Axente. Axente war uns eine große Hilfe, sie stellte zahlreiche Künstlerkontakte her und führte uns durch die Künstlerbezirke (wie z.B. der bekannten Fabriksanlage „fabrica de pensule“). Unterstützung erhielten wir aber auch von Bosisio, der in Cluj seine zweite Heimat gefunden hat und viele der dort lebenden Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Laufbahn gefördert hat. Wir besuchten rund zwanzig Ateliers – eine intensive, spannende Erfahrung, es war ein große Freude, so viele interessante wie unterschiedliche Menschen und ihre künstlerischen Welten kennen zu lernen. Nach dem Ende der Atelierbesuche und intensiven Diskussionen wählten wir schließlich fünf künstlerische Positionen aus. In der noch bis Oktober laufenden Ausstellung „Tales of the Valley“ in Pontives (Südtirol) sind neue Malereien von Teodora Axente, Alin Bozbiciu, Oana Farcas und Sergiù Toma sowie neue Zeichnungen von Dan Beudean zu sehen.

Die Malereiszene in Cluj ist sehr lebendig und vital – dieser Eindruck hat sich bei meinem Besuch verfestigt. Die Künstlerinnen und Künstler schöpfen aus der malerischen Tradition des Landes (wie etwa dem Sozialistischen Realismus) und versuchen doch, ihre ganz eigene, individuelle künstlerische Sprache zu finden. Das ist nicht immer leicht und gelingt nicht immer – nicht zuletzt auch aufgrund des Hypes, der in den letzten Jahren rund um die dortige Malerei betrieben wurde. Schon ist vom „neuen Leipzig“ die Rede und Sammler, Kuratoren und Galeristen aus der halben Welt pilgern in die Stadt, auf der Suche nach jungen Talenten für die nächste Ausstellung, die nächste Kunstmesse, das nächste Kulturevent. Die verstärkte Aufmerksamkeit von außen wird in Cluj natürlich positiv gesehen, gibt es doch kaum kaufkräftige Sammler innerhalb Rumäniens und viele träumen wohl von einer Karriere außerhalb ihres Heimatlandes. Doch gleichzeitig ist damit für die Künstlerinnen und Künstler auch ein großer Druck verbunden – der Druck, den in sie gestellten Erwartungshaltungen nicht gerecht zu werden. Damit verbunden ist aber auch die Gefahr einer Selbstüberschätzung und die Versuchung, gefällige Werke nach dem ausländischen Geschmack zu „produzieren“. So war es für mich nicht nur spannend, die künstlerischen Arbeiten zu sehen sondern auch, wie Künstlerinnen und Künstler mit dem „Ruhm“ und den ersten Erfolgen umgehen.

Ich bin überzeugt, dass die fünf in der Ausstellung zu sehenden Künstlerinnen und Künstler es geschafft haben, ihre eigene künstlerische Sprache zu finden und sie selbstbewusst ihren Weg gehen werden, unabhängig davon, wie lange die Aufmerksamkeit der Kunstwelt anhält und wie lange es dauern wird, bis der Tross der sogenannten Kunstexperten weiterzieht, um sich auf die Suche nach dem nächsten Hype zu machen. Exemplarisch möchte ich die künstlerische Arbeit der zwei ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu kurz vorstellen.

 

„Für mich drücken Farben Wörter und Gefühle aus, es ist wie eine Therapie, aber in gleichem Maße auch eine Möglichkeit, die Welt zu erkunden und zu bezwingen“, sagt Teodora Axente.

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“Ich bin ein Kritzler geblieben…” Hans Staudacher und die österreichische Moderne

28/07/2014
Hans Staudacher in seinem Atelier, Foto: Sammlung Essl

Das Essl Museum rückt mit der Ausstellung >österreichische moderne – staudacher und zeitgenossen< die Arbeiten von Hans Staudacher, einem der wichtigsten Vertreter der Avantgarde in Österreich nach 1945 in den Mittelpunkt.

Im Mai 2014 hatte Kuratorin Viktoria Tomek gemeinsam mit Sammlerin Agnes Essl die Gelegenheit, den Künstler in seinem riesigen Atelier in der Ankerbrot – Fabrik zu besuchen und mit ihm über sein in mehr als 50 Jahren geschaffenes Werk zu sprechen.

Hans Staudacher in seinem Atelier, 2014, Foto: Sammlung Essl

„Für mich ist malen Lebensvollzug“ antwortet Hans Staudacher, als ich ihn frage, was ihn zur Kunst gebracht hat. Der Künstler erzählt, dass sich sein kreatives Talent bereits in der Schule gezeigt hat, wenn er, sehr zum Missfallen seiner Lehrer, die Schulbank bekritzelt hat: „Damals war ich noch kein Maler, sondern nur ein Malheur“. Weiterlesen…

Sprachlosigkeit überwinden. Moderne Kunst als Kommunikationsmittel zwischen alten und jungen Menschen

01/07/2014

Gemeinsam mit Lehrerin Elisabeth Neudorfer entstand in einer mehrstufigen Zusammenarbeit ein Projekt, in dem Schüler des Evangelischen Gymnasiums in 1110 Wien mit den Bewohnern der im selben Gebäude befindlichen Hausgemeinschaft im Diakoniewerk über die Sprache der Bilder kommunizierten. Inhalte aus dem Museum sollten so für die alten Menschen mit allen Sinnen erleb- und erfahrbar werden.

 

Elisabeth Neudorfer, die mit Andreas Hoffer und Adelheid Sonderegger vom Essl Museum das Projekt entwickelt hat, beschreibt die Projektidee: „Es hat sich gezeigt, dass dort, wo bei dementen Menschen die Sprache als Kommunikationsmittel versagt, das gemeinsame Malen hilft, Kontakte herzustellen. Mit den Kunstvermittlern des Essl Museums wurden folgende Überlegungen angestellt: Wie können wir Bilder als Kommunikationsmittel einsetzen? Welche Lernerfahrungen können SchülerInnen dabei machen? Wie können wir beim Übersetzen der Bilder in andere Medien möglichst viele Sinne der BewohnerInnen stimulieren?“ [1]

Andreas Hoffer und Adelheid Sonderegger von der Kunstvermittlung im Essl Museum haben die Zusammenarbeit mit den Schülern, aber auch dem Wohnheim für alte Menschen als sehr fruchtbar und inspirierend erlebt: „Wir haben das Projekt sehr spannend gefunden, auch weil es nicht klar war, wie weit die Schüler dieser doch außergewöhnlichen Situation gewachsen sein würden, den z.T. dementen älteren Menschen mit vielen Sinnen etwas von ihrer Handlungsfähigkeit zurückzugeben, eine Kommunikation ohne viel Sprache zu ermöglichen.“ Weiterlesen…

Karlheinz Essl über seine Ausstellung >made in austria< – 4. Teil: Günter Brus, VALIE EXPORT und Hermann Nitsch

06/06/2014

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal:Günter Brus, VALIE EXPORT und Hermann Nitsch

 

Die Aktionisten Günter Brus und VALIE EXPORT stelle ich gegenüber, wobei EXPORT nicht zum engeren Kreis der Aktionisten gehört, in ihren Performances aber sehr aktionistisch gearbeitet hat. Gerade deshalb ist diese Gegenüberstellung für mich so spannend.
Günter Brus habe ich, ähnlich wie Lassnig, erst wahrgenommen, als er Ende der 1970er-Jahre aus seinem Berliner Exil nach Österreich zurückgekommen ist. Ich erinnere mich, als ich seine Arbeiten in einer Ausstellung in Salzburg das erste Mal gesehen habe. Ich war begeistert und habe mich in der Folge intensiv mit seinem Werk auseinandergesetzt. In der Ausstellung zeige ich aber nicht Video- und Fotoarbeiten aus der Hochzeit des Aktionismus, sondern Brus’ „nachaktionistische“ Schaffensphase, als er mit den Aufsehen erregenden Körperaktionen aufgehört hatte und sich nun malerisch und grafisch ausdrückte.

“Mein Körper ist die Absicht, mein Körper ist das Ereignis, mein Körper ist das Ergebnis.” Günter Brus Weiterlesen…

Karlheinz Essl über seine Ausstellung >made in austria< – 3. Teil: Wurm und West, Ringel, Jungwirth und Kocherscheidt

12/05/2014

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal: Erwin Wurm und Franz West sowie Die Wirklichkeiten: Ringel, Jungwirth und Kocherscheidt

Die zentralen Schwerpunkte unserer Sammlungstätigkeit sind Malerei und Skulptur (wobei im Laufe der Jahre natürlich auch zahlreiche Fotografien, Videos und installative Arbeiten angekauft wurden). Ich habe mich deshalb entschieden, den Fokus auf die Skulptur beispielhaft mit den beiden Künstlern Franz West und Erwin Wurm zu richten. Beide Künstler sind in diesem Medium äußerst innovative Wege gegangen. Begleitend zu den skulpturalen Arbeiten habe ich bei Wurm die Videostillserie „One Minute Sculptures“, bei Franz West die Collagen und Schriftbilder der „Eisenbahner Serie“ ausgewählt.

Franz West hat mit viel Witz und einer künstlerischen Gleichstellung von Alltagsthemen und Materialien auch jungen Künstlern Anregungen für einen erweiterten Kunst- und besonders auch Skulpturbegriff gegeben. Wests skulpturales Schaffen begann mit den „Paßstücken“. Diese zunächst aus Papiermaché, dann aus Polyester und schließlich aus Aluminium hergestellten Objekte sind nicht als Skulpturen per se gedacht, sondern als “körpererweiternde Prothesen”. Sie sollen vom Besucher berührt und an seinen Körper angepasst werden und sind somit zugleich Gebrauchsgegenstand und Skulptur.

“Vielleicht besteht ein Unterschied oder gar ein Widerspruch zwischen der Rezeption eines Kunstwerkes im Sitzen und dem Missverständnis meiner Kunststühle, das ich ausgebeutet habe.” Franz West Weiterlesen…

Sammlungskünstlerin Esther Stocker auf Schloss Kastelbell

24/04/2014

(13.04. – 09.06.2014)
Auf Schloss Kastelbell in Südtirol findet derzeit eine sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Esther Stocker statt. Stocker ist in der Sammlung Essl mit einer Reihe von Werken vertreten, 2007 gestaltete sie im Rahmen der Ausstellung >Passion for Art< das Stiegenhaus des Essl Museums mit ihren unverwechselbaren Schwarz-Weiß Rastern. Das Schloss Kastelbell stellte eine besondere Herausforderung für die Künstlerin dar, bespielte sie doch mit Ihrer sehr reduzierten Bildsprache eine mittelalterliche Burg. Bei der Vorbereitung und der Umsetzung dieser sehr außergewöhnlichen Ausstellung durfte ich die Künstlerin begleiten und unterstützen.

 

Innenhof von Schloss Kastelbell mit einer Installation von Esther Stocker (Foto: Günther Oberhollenzer)

Innenhof von Schloss Kastelbell mit einer Installation von Esther Stocker (Foto: Günther Oberhollenzer)

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Karlheinz Essl über seine Ausstellung >made in austria<: Teil 2: Rainer und Lassnig, Prachensky, Mikl, Hollegha und Brandl und Scheibl

22/04/2014

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal: Maria Lassnig und Arnulf Rainer, Markus Prachensky, Josef Mikl, Wolfgang Hollegha und Herbert Brandl und Hubert Scheibl

Zweiter Galerieraum: Maria Lassnig und Arnulf Rainer

Maria Lassnig und Arnulf Rainer sind auf den ersten Blick zwei sehr entgegen gesetzte Künstlerpersönlichkeiten. Sie waren eng miteinander befreundet und am Anfang ihres Schaffens lebten sie eine Zeitlang in Paris. Dann trennten sich ihre Wege.

Lassnig ging später nach Amerika und war lange Zeit in Österreich nicht präsent. In den USA malte sie relativ wenig und beschäftigte sich eher mit dem experimentellen Film. 1980 wurde sie als erste weibliche Professorin an die Universität für Angewandte Kunst nach Wien berufen. Lassnig wurde damit wieder in Wien und Österreich als Künstlerin wahrgenommen und sorgte mit ihrer Malerei für Aufsehen. Seit diesem Zeitpunkt haben wir sie gesammelt. Deshalb zeige ich Werke genau aus diesen Jahren. Stark beeinflusst von der eigenen Biografie malt Lassnig meist ihren Körper und ihre Gefühle.

“Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse entstehen. Doch habe ich einen Ausgangspunkt, der aus der Erkenntnis entstand, dass das einzig wirklich Reale meine Gefühle sind, die sich innerhalb des Körpergehäuses abspielen: physiologischer Natur, Druckgefühl beim Sitzen und Liegen, Spannungs- und räumliche Ausdehnungsgefühle – ziemlich schwierig darstellbare Dinge.” Maria Lassnig Weiterlesen…

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