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Liebe und Tod im Werk von Adolf Frohner

10/09/2014

von Andreas Hoffer, Günther Oberhollenzer

 

„Ich versuche Kunst zu machen, weil ich Kunst liebe.“[1]

„Das Tödlichste in der Kunst ist, wenn sie langweilig ist und niemanden bewegt.“[2]

Adolf Frohner

 

Liebe und Tod, was für ein Gegensatzpaar, was für eine Möglichkeit, das Essenzielle unserer Existenz zu benennen! Es fehlt nur noch die Geburt, aber diese könnte ja die Frucht der Liebe sein, zumindest das Produkt eines sexuellen Aktes. In der Verbindung von Liebe und Tod erscheint der Tod wie die andere Seite des Menschseins, genauso dazugehörend wie die Liebe.

Unbestritten spielen große Emotionen, das Existenzielle, die Sexualität, die ewige Frage nach dem Schönen und Hässlichen, die Einsamkeit und Verworfenheit des Menschen bis zum Wissen um die Endlichkeit allen Seins im Werk des österreichischen Künstlers Adolf Frohner eine große Rolle. Eine Ausstellung in der Wiener Galerie Hilger im Jahr 1989 trug den Titel Liebe und Tod. Im Katalog findet sich ein immer noch lesenswertes Gespräch zwischen dem deutschen „Kunstpfarrer“ Friedhelm Mennekes und Adolf Frohner. Frohner hat in den frühen 1960er-Jahren wiederholt Objekte mit gebrauchten Matratzen entworfen. Diese „grindvollen“ Werke bezeichnet der Künstler in ebendiesem Gespräch als Symbol für die menschliche Existenz, so auch für Liebe und Tod: „Gibt es etwas Gültigeres für ein Denkmal des Menschen als eine Matratze? Auf ihr wird man gezeugt, geboren, auf ihr ruht man sich aus, schläft auf ihr, liebt und stirbt man.“ [3]

Als wir gebeten wurden, zum Thema Liebe und Tod im Werk von Adolf Frohner einen Katalogbeitrag zu verfassen, haben wir uns noch einmal ganz in die Bildwelten Frohners begeben, die Veränderungen seiner Malerei von den 1960er-Jahren bis in die 1990er-Jahre studiert und uns auf die Suche nach Liebe und Tod in seiner Motivwelt gemacht.

Adolf Frohner, Totenkopf, 1988, aus: Totenkopf-Mappe, Ed. 49/100, Radierung auf Papier, 100 x 49 cm, Foto: Mischa Nawrata, Wien, © Sammlung Essl Privatstiftung, Klosterneuburg / Wien

Adolf Frohner, Totenkopf, 1988, aus: Totenkopf-Mappe, Ed. 49/100, Radierung auf Papier, 100 x 49 cm, Foto: Mischa Nawrata, Wien, © Sammlung Essl Privatstiftung, Klosterneuburg / Wien

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Im Gespräch mit Autor Jürgen Bauer

02/09/2014

Den Auftakt für das Literaturprogramm des Essl Museums im Herbst 2014 macht am 3. September um 19 Uhr der in Wien lebende Schriftsteller Jürgen Bauer, derzeit eine der interessantesten Stimmen der jungen österreichischen Gegenwartsliteratur. Sein Roman „Das Fenster zur Welt“ erschien im Jahr 2013 und wurde von Kritik und Publikum enorm positiv aufgenommen. Das Buch erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft und von den Entscheidungen, die das Leben prägen: Einem jungen Mann wird durch die Trennung von seinem langjährigen Partner plötzlich die Sicherheit genommen. Beim Speed Dating lernt er die 80-jährige Hanna kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die sie beide auf einen gemeinsamen Road Trip in die Vergangenheit führt. Rechtzeitig vor seiner Lesung habe ich ein Interview mit ihm gemacht.

Jürgen Bauer. Foto: Barbara Pálffy

Jürgen Bauer. Foto: Barbara Pálffy

Erwin Uhrmann: In Deinem Buch geht es um Aufbruch. Einerseits um den Aufbruch eines jungen, aber nicht mehr ganz jungen Mannes. Andererseits um den Aufbruch einer wirklich alten Dame. Ein Gespann, das ich so noch nicht in der Literatur vorgefunden habe. Wie bist Du auf diese Kombination gekommen?

Jürgen Bauer: Im Zentrum meines Buches steht die Frage nach den Entscheidungen, die ein Leben prägen. Welche Entscheidungen haben einen Menschen zu dem gemacht, der er ist? Wie zufällig waren sie, wie bewusst getroffen? Und daran anschließend die Frage: Kann man manche dieser Entscheidungen rückgängig machen, kann man ein Leben nochmal neu beginnen, ihm einen neuen Weg geben? Ich wollte diese Frage nicht anhand einer Figur in der Midlife-Crisis behandeln, sondern zeigen, dass sie alle Altersschichten betrifft. So habe ich einen jungen Mann und eine sehr alte Frau auf eine Reise geschickt, auf der sie ihre Lebensentscheidungen hinterfragen müssen.

Erwin Uhrmann: Hast Du selbst viel mit älteren Menschen zu tun? Pflegst Du Freundschaften zu älteren Menschen?

Jürgen Bauer: In meinem Freundeskreis finden sich Menschen aller Altersschichten, aber auch während meines Zivildienstes beim Roten Kreuz bin ich viel mit älteren Personen in Kontakt gekommen. Außerdem hatte ich das Glück, meine Urgroßmutter noch gekannt zu haben, da gab es also viele Einflüsse, Bekanntschaften und Eindrücke.

Erwin Uhrmann: Deine Protagonistin ist enorm cool, eigentlich die coolste Figur in Deinem Buch. Außerdem noch dazu sehr authentisch. Du hast Dich enorm gut in das Innenleben einer betagten Dame hineinversetzt. Wie hast Du das bewerkstelligt?

Jürgen Bauer: Beobachten, beobachten und wieder beobachten. Ich habe versucht, beim Schreiben alle Erinnerungen wieder wachzurufen und daraus eine Person zu formen. Ich wollte bewusst keine Klischee-Figur, eine gebrechliche alte Frau etwa, sondern einen Menschen, der am Ende seines Lebens nochmal einen Aufbruch wagt. Also habe ich nach Szenen gesucht, die diesen Entdeckergeist, diese Neugierde zeigen.

Erwin Uhrmann: „Das Fenster zur Welt“ ist ein wunderschöner und auch sehr passender Titel für Dein Buch. Hattest Du den Titel von Anfang an? Oder hast Du zuerst das Buch geschrieben und langsam zum Titel gefunden.

Jürgen Bauer: Der Titel stand schon in der ersten Manuskriptfassung, allerdings versteckt im Text. Es gab schon in dieser frühen Fassung das Bild des Fensters, durch das man zwar blicken und das Leben beobachten kann, das einen aber durch die Glasscheibe auch von diesem Leben ausschließt. Ein Fenster ist eben keine Tür, durch die man gehen kann. Ich muss meinem Verleger, Jürgen Schütz, danken, dass er dieses Bild im Text aufgespürt und als Titel vorgeschlagen hat.

Erwin Uhrmann: Könntest Du Dir vorstellen, dass Hanna und Michael gemeinsam in ein Museum wie das Essl Museum gehen? Wie würden die beiden auf die zeitgenössische Kunst reagieren?

Jürgen Bauer: Ich kann mir vorstellen, dass Hanna das Auto startet und Michael einfach mitnimmt. Hanna ist trotz ihres Alters sehr viel aufgeschlossener für neue Eindrücke, als Michael. Sie wäre sicher bereit, sich auf zeitgenössische Kunst einzulassen, selbst wenn sie zu Beginn vielleicht keinen Zugang dazu findet. Aber sie besäße die Offenheit, sich dennoch darauf einzulassen!

Erwin Uhrmann: Beschäftigst Du Dich selbst mit Gegenwartskunst? Hast Du LieblingskünstlerInnen?

Jürgen Bauer: Ich finde es wichtig, Einflüsse aus allen Kunstformen aufzunehmen, also auch der bildenen, zeitgenössischen Kunst. Die Frage nach LieblingskünstlerInnen ist sehr schwierig – ich würde vielleicht Cy Twombly, Yves Klein und Gerhard Richter nennen, auch wenn man da bei dem einen oder anderen das “zeitgenössisch” weglassen müsste! Aber gerade Gerhard Richter mit seiner Infragestellung der Realitätsabbildung hat mich sehr beeindruckt.

Erwin Uhrmann: An was arbeitest Du derzeit? Kannst Du uns etwas über Deine nächsten Projekte verrate

Jürgen Bauer: Ich arbeite gerade an meinem zweiten Roman, über den ich noch nicht wirklich etwas verraten möchte. Es wird um den Zusammenhang von Kontrolle und Angst gehen, aber mehr kann ich noch nicht verraten. Also auf der Septime-Homepage auf dem Laufenden halten!

Erwin Uhrmann: Du hast den Sommer in Berlin am Literarischen Colloquium verbracht. Wie war es? Hast Du viel geschrieben?

Jürgen Bauer: Ich hatte ein Zimmer mit Blick über den Wannsee und viel Zeit zum Schreiben, es war also wunderbar! Ich finde es großartig, dass es solche Räume gibt, die Zeit zum konzentrierten künstlerischen Arbeiten, aber auch zum Austausch und zu Diskussionen bieten. Das ist gerade am Anfang eines künstlerischen Weges sehr wichtig, wie ich finde!

Jürgen Bauer liest am Mittwoch, den 3. September bei freiem Eintritt im Essl Museum! Die weiteren Lesungen des Literaturherbstes finden Sie hier: http://www.essl.museum/musik__literatur/literatur/lesungen

Die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu gehen ihren Weg

20/08/2014
Teodora Axente, Descent, 2014, Foto: Günther Oberhollenzer

Die rumänische Stadt Cluj hat in den letzten Jahren durch eine äußerst vitale Kunstszene, insbesondere auf dem Feld der Malerei weit über die Grenzen des Landes für Aufsehen gesorgt. Auf Einladung der Südtiroler Galeristin Doris Ghetta besuchte Kurator Günther Oberhollenzer im Frühjahr 2014 zahlreiche Künstlerateliers in Cluj, um einen Einblick in die aktuelle Kunst dieser Region zu gewinnen. Daraus wurden fünf Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung „Tales of the Valley“ ausgewählt, darunter auch die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente (2011) und Alin Bozbiciu (2013).

Viel ist in den letzten Jahren von Malerei aus Cluj zu hören gewesen. Deshalb nahm ich die Einladung der Galeristin Doris Ghetta gerne an, mir für einige Tage Anfang Mai vor Ort ein Bild der dortigen Kunstszene zu machen. Auf unserer Reise begleiteten uns der Südtiroler Architekt Igor Comploi, die Südtiroler Künstler Robert Bosisio, Willi Crepaz und Walter Moroder sowie die rumänische Künstlerin Teodora Axente. Axente war uns eine große Hilfe, sie stellte zahlreiche Künstlerkontakte her und führte uns durch die Künstlerbezirke (wie z.B. der bekannten Fabriksanlage „fabrica de pensule“). Unterstützung erhielten wir aber auch von Bosisio, der in Cluj seine zweite Heimat gefunden hat und viele der dort lebenden Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Laufbahn gefördert hat. Wir besuchten rund zwanzig Ateliers – eine intensive, spannende Erfahrung, es war ein große Freude, so viele interessante wie unterschiedliche Menschen und ihre künstlerischen Welten kennen zu lernen. Nach dem Ende der Atelierbesuche und intensiven Diskussionen wählten wir schließlich fünf künstlerische Positionen aus. In der noch bis Oktober laufenden Ausstellung „Tales of the Valley“ in Pontives (Südtirol) sind neue Malereien von Teodora Axente, Alin Bozbiciu, Oana Farcas und Sergiù Toma sowie neue Zeichnungen von Dan Beudean zu sehen.

Die Malereiszene in Cluj ist sehr lebendig und vital – dieser Eindruck hat sich bei meinem Besuch verfestigt. Die Künstlerinnen und Künstler schöpfen aus der malerischen Tradition des Landes (wie etwa dem Sozialistischen Realismus) und versuchen doch, ihre ganz eigene, individuelle künstlerische Sprache zu finden. Das ist nicht immer leicht und gelingt nicht immer – nicht zuletzt auch aufgrund des Hypes, der in den letzten Jahren rund um die dortige Malerei betrieben wurde. Schon ist vom „neuen Leipzig“ die Rede und Sammler, Kuratoren und Galeristen aus der halben Welt pilgern in die Stadt, auf der Suche nach jungen Talenten für die nächste Ausstellung, die nächste Kunstmesse, das nächste Kulturevent. Die verstärkte Aufmerksamkeit von außen wird in Cluj natürlich positiv gesehen, gibt es doch kaum kaufkräftige Sammler innerhalb Rumäniens und viele träumen wohl von einer Karriere außerhalb ihres Heimatlandes. Doch gleichzeitig ist damit für die Künstlerinnen und Künstler auch ein großer Druck verbunden – der Druck, den in sie gestellten Erwartungshaltungen nicht gerecht zu werden. Damit verbunden ist aber auch die Gefahr einer Selbstüberschätzung und die Versuchung, gefällige Werke nach dem ausländischen Geschmack zu „produzieren“. So war es für mich nicht nur spannend, die künstlerischen Arbeiten zu sehen sondern auch, wie Künstlerinnen und Künstler mit dem „Ruhm“ und den ersten Erfolgen umgehen.

Ich bin überzeugt, dass die fünf in der Ausstellung zu sehenden Künstlerinnen und Künstler es geschafft haben, ihre eigene künstlerische Sprache zu finden und sie selbstbewusst ihren Weg gehen werden, unabhängig davon, wie lange die Aufmerksamkeit der Kunstwelt anhält und wie lange es dauern wird, bis der Tross der sogenannten Kunstexperten weiterzieht, um sich auf die Suche nach dem nächsten Hype zu machen. Exemplarisch möchte ich die künstlerische Arbeit der zwei ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu kurz vorstellen.

 

„Für mich drücken Farben Wörter und Gefühle aus, es ist wie eine Therapie, aber in gleichem Maße auch eine Möglichkeit, die Welt zu erkunden und zu bezwingen“, sagt Teodora Axente.

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“Ich bin ein Kritzler geblieben…” Hans Staudacher und die österreichische Moderne

28/07/2014
Hans Staudacher in seinem Atelier, Foto: Sammlung Essl

Das Essl Museum rückt mit der Ausstellung >österreichische moderne – staudacher und zeitgenossen< die Arbeiten von Hans Staudacher, einem der wichtigsten Vertreter der Avantgarde in Österreich nach 1945 in den Mittelpunkt.

Im Mai 2014 hatte Kuratorin Viktoria Tomek gemeinsam mit Sammlerin Agnes Essl die Gelegenheit, den Künstler in seinem riesigen Atelier in der Ankerbrot – Fabrik zu besuchen und mit ihm über sein in mehr als 50 Jahren geschaffenes Werk zu sprechen.

Hans Staudacher in seinem Atelier, 2014, Foto: Sammlung Essl

„Für mich ist malen Lebensvollzug“ antwortet Hans Staudacher, als ich ihn frage, was ihn zur Kunst gebracht hat. Der Künstler erzählt, dass sich sein kreatives Talent bereits in der Schule gezeigt hat, wenn er, sehr zum Missfallen seiner Lehrer, die Schulbank bekritzelt hat: „Damals war ich noch kein Maler, sondern nur ein Malheur“. Weiterlesen…

Sprachlosigkeit überwinden. Moderne Kunst als Kommunikationsmittel zwischen alten und jungen Menschen

01/07/2014

Gemeinsam mit Lehrerin Elisabeth Neudorfer entstand in einer mehrstufigen Zusammenarbeit ein Projekt, in dem Schüler des Evangelischen Gymnasiums in 1110 Wien mit den Bewohnern der im selben Gebäude befindlichen Hausgemeinschaft im Diakoniewerk über die Sprache der Bilder kommunizierten. Inhalte aus dem Museum sollten so für die alten Menschen mit allen Sinnen erleb- und erfahrbar werden.

 

Elisabeth Neudorfer, die mit Andreas Hoffer und Adelheid Sonderegger vom Essl Museum das Projekt entwickelt hat, beschreibt die Projektidee: „Es hat sich gezeigt, dass dort, wo bei dementen Menschen die Sprache als Kommunikationsmittel versagt, das gemeinsame Malen hilft, Kontakte herzustellen. Mit den Kunstvermittlern des Essl Museums wurden folgende Überlegungen angestellt: Wie können wir Bilder als Kommunikationsmittel einsetzen? Welche Lernerfahrungen können SchülerInnen dabei machen? Wie können wir beim Übersetzen der Bilder in andere Medien möglichst viele Sinne der BewohnerInnen stimulieren?“ [1]

Andreas Hoffer und Adelheid Sonderegger von der Kunstvermittlung im Essl Museum haben die Zusammenarbeit mit den Schülern, aber auch dem Wohnheim für alte Menschen als sehr fruchtbar und inspirierend erlebt: „Wir haben das Projekt sehr spannend gefunden, auch weil es nicht klar war, wie weit die Schüler dieser doch außergewöhnlichen Situation gewachsen sein würden, den z.T. dementen älteren Menschen mit vielen Sinnen etwas von ihrer Handlungsfähigkeit zurückzugeben, eine Kommunikation ohne viel Sprache zu ermöglichen.“ Weiterlesen…

Karlheinz Essl über seine Ausstellung >made in austria< – 4. Teil: Günter Brus, VALIE EXPORT und Hermann Nitsch

06/06/2014

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal:Günter Brus, VALIE EXPORT und Hermann Nitsch

 

Die Aktionisten Günter Brus und VALIE EXPORT stelle ich gegenüber, wobei EXPORT nicht zum engeren Kreis der Aktionisten gehört, in ihren Performances aber sehr aktionistisch gearbeitet hat. Gerade deshalb ist diese Gegenüberstellung für mich so spannend.
Günter Brus habe ich, ähnlich wie Lassnig, erst wahrgenommen, als er Ende der 1970er-Jahre aus seinem Berliner Exil nach Österreich zurückgekommen ist. Ich erinnere mich, als ich seine Arbeiten in einer Ausstellung in Salzburg das erste Mal gesehen habe. Ich war begeistert und habe mich in der Folge intensiv mit seinem Werk auseinandergesetzt. In der Ausstellung zeige ich aber nicht Video- und Fotoarbeiten aus der Hochzeit des Aktionismus, sondern Brus’ „nachaktionistische“ Schaffensphase, als er mit den Aufsehen erregenden Körperaktionen aufgehört hatte und sich nun malerisch und grafisch ausdrückte.

“Mein Körper ist die Absicht, mein Körper ist das Ereignis, mein Körper ist das Ergebnis.” Günter Brus Weiterlesen…

Karlheinz Essl über seine Ausstellung >made in austria< – 3. Teil: Wurm und West, Ringel, Jungwirth und Kocherscheidt

12/05/2014

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal: Erwin Wurm und Franz West sowie Die Wirklichkeiten: Ringel, Jungwirth und Kocherscheidt

Die zentralen Schwerpunkte unserer Sammlungstätigkeit sind Malerei und Skulptur (wobei im Laufe der Jahre natürlich auch zahlreiche Fotografien, Videos und installative Arbeiten angekauft wurden). Ich habe mich deshalb entschieden, den Fokus auf die Skulptur beispielhaft mit den beiden Künstlern Franz West und Erwin Wurm zu richten. Beide Künstler sind in diesem Medium äußerst innovative Wege gegangen. Begleitend zu den skulpturalen Arbeiten habe ich bei Wurm die Videostillserie „One Minute Sculptures“, bei Franz West die Collagen und Schriftbilder der „Eisenbahner Serie“ ausgewählt.

Franz West hat mit viel Witz und einer künstlerischen Gleichstellung von Alltagsthemen und Materialien auch jungen Künstlern Anregungen für einen erweiterten Kunst- und besonders auch Skulpturbegriff gegeben. Wests skulpturales Schaffen begann mit den „Paßstücken“. Diese zunächst aus Papiermaché, dann aus Polyester und schließlich aus Aluminium hergestellten Objekte sind nicht als Skulpturen per se gedacht, sondern als “körpererweiternde Prothesen”. Sie sollen vom Besucher berührt und an seinen Körper angepasst werden und sind somit zugleich Gebrauchsgegenstand und Skulptur.

“Vielleicht besteht ein Unterschied oder gar ein Widerspruch zwischen der Rezeption eines Kunstwerkes im Sitzen und dem Missverständnis meiner Kunststühle, das ich ausgebeutet habe.” Franz West Weiterlesen…

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